Archiv der Kategorie: Norwegen

19.12.2025 Julespill

Seid ganz lieb gegrüßt!

Ein komisches Gefühl, heute ist der erste Bewohner aus unserem Haus in den Weihnachtsurlaub gefahren. Mir ist so gar nicht nach Weihnachten. Wir haben aus der Halle sogar schon einen trockenen Baum rausgeschmissen. Was soll der auch noch weiter nadeln? Wir singen zwar jeden Morgen (heute war der letzte Morgensang des Jahres) Adventslieder, aber vielleicht fehlen die richtigen Lieder? Maria durch ein Dornwald ging, singen wir auch!
Ich habe beschlossen, eine kleine chronologische Episode zu schreiben:

19.12.2025
Heute war Julespill, mit bestimmt 25 Mitwirkenden. Es begann draußen, vor der Tunet, mit einer Einführung und gemeinsamen Singen, dann ging es zum nächsten Hügel, da standen 3 Engel, einmal umdrehen, da gingen Maria und Josef, machten kurz Pause und Josef berichtete, wie es ihm erging. Die beiden gingen weiter, wir Zuschauer auch, bis zu einem kleinen Feuerchen. Da tauchte ein Hirte auf, der auf seine Kameraden wartete. Die beiden kamen dann auch. Sie bekamen sich noch fast in die Wolle – es war herrlich lustig. Dann waren sie furchtbar müde und legten sich schlafen. Und erschienen 10 Engel, die wunderschön von der bevorstehenden Geburt sangen. Die drei Hirten wachten auf und erzählten sich von ihren Träumen. Sie beschlossen, dem Stern zu folgen. Wir gingen weiter und begegneten wieder Maria und Josef, die an die erste Tür klopften. Wir begleiteten sie zu nächsten Tür, wo sie lauthals abgewiesen wurden. Dann gingen wir in die Halle. Hier zogen erstmal alle ihre Schuhe und Jacken aus. Hier war die dritte Tür und es war leider nur noch Platz im Stall. Hier wurde das Kind geboren und die Engel erschienen wieder, auch mit Klarinette. Die Hirten fanden sich ebenfalls ein. Es war ein wundervolles Julespill. So eines habe ich noch nie erlebt.
Das Juleprogramm ist heute mit der Post gekommen. Hier wird sehr schön deutlich, dass es sich in Norwegen (oder in ganz Skandinavien?) um den Julerommet – den Juleraum handelt. Weihnachten dauert hier länger, obwohl es hier auch nur 2 Weihnachtsfeiertage gibt. Es geht alles etwas beschaulicher zu.
Mir ist ja nicht nach Weihnachten. Und auch die Rauhnächte fühlen sich dieses Jahr anders an. Sie wollen dieses Jahr bei mir schon am 21.12. beginnen. Das war noch nie so. Und somit bin ich in die Malerverksted und habe mir weiße Farbe zum Übermalen meines Jahresrades mitgenommen. Ja, übermorgen geht es diesmal los. Das ist auch deshalb gut, weil ich Sonntag, 21.12. frei habe.

Seid ganz lieb gegrüßt
Ute

Kunstwerke aus Betong

Seid ganz lieb gegrüßt!

Ich hatte schon über die Nonnenlampen berichtet. Es gibt hier noch andere Dinge aus „betong“.

So gibt es interessante Wasseranlagen. Das Wasser wird durch eine Pumpe auf eine kleine Anhöhe gepumpt und dann darf es über verschiedene Becken aus Beton laufen. Es gibt hier in Vidaråsen mindestens 4 solcher Beckenläufe. Davon 2 im Dorf, die anderen beiden sind an die Ökokläranlage angeschlossen. (Hier im Dorf wird nur mit Sonett oder Ecover gewaschen, gespült, geputzt etc. Ausnahme ist die Schmierseife, das ist wohl ein norwegisches Produkt.) Das Wasser läuft von oben in das nächste Becken und läuft erst auf die eine Seite, dann auf die andere und dann erst in die nächste Schale. Es läuft einmal eine 8 und in der nächsten ebenfalls. Gerade von oben betrachtet sieht das sehr schön aus. In breiten, flachen Schalen hat das Wasser mehr Zeit und einen längeren Weg, in kleinen, tiefen Becken, geht es schneller. Dieses Prinzip geht möglicherweise auf Schauberger zurück. Allerdings weiß ich es nicht genau.
Anfang Oktober gab es diesen Sturm „Amy“, der unser Dorf vom Strom befreit hat. Somit standen auch die Wasserläufe still. Komisch. Es beruhigt doch ungemein, diesem Gluckern und Glucksen zuzuhören.
Im Dorf und auch auf dem Gelände der Steinerskole finden sich solche anmutigen Wesen. Auch apart, irgendwie.

Seid ganz lieb gegrüßt.
ute

Einmal Deutschland und zurück

Seid ganz lieb gegrüßt!

Ich bin noch nicht mal wieder zu Hause (in Norwegen), da klappe ich meinen Rechner auf und muss etwas schreiben.
Zunächst will ich mich bei allen lieben Menschen bedanken, denen ich begegnen durfte. Vielen Dank für tolle Gespräche, eure Offenheit und eure Gastfreundschaft.
Ich hatte eine recht ruhige Überfahrt ab 8 Uhr nach Hirtshalts und bin wunderbar durch Dänemark gefahren. Ohne Probleme. In Dänemark habe ich auch planmäßig getankt. Auch an Autobahntankstellen ist der Diesel günstiger als in Meck-Pom! Und das schon seit einiger Zeit. In Deutschland ging es auch ganz gut, bis das Auto mir sagte, dass ich bitte mal den Ölstand kontrollieren möchte. Es war dunkel, die letzte Information war, dass in 7 km eine Autobahntankstelle sei. Oder doch hier abfahren? Weit und breit kein Anzeichen (Lichtzeichen) einer Siedlung. Also Autobahn. Kein Öl im Angebot. Hm. Sonderbar. Der Laden sah sowieso recht ausgeräubert aus. Das Auto hatte noch Öl, aber nicht mehr viel. Also fuhr ich weiter, aber sachte. Die Lampe leuchtete nicht mehr. Da der Elbtunnel gesprerrt war, fuhr ich also da lang, wo alle lang fuhren: Neumünster Richtung Bad Segeberg, weiter auf die A 21. Da ging die Lampe wieder an! Autobahntankstelle. Auch dieser Laden war sehr leer. Und Öl hatten sie auch keines. Aber der Mensch hinter dem Tresen war freundlich und klärte mich auf: Alle 5 Jahre werden die Autobahntankstellen neu ausgeschrieben und der Pächter muss wechseln. Natürlich werden dann keine Dinge nachgekauft. Logisch. Er riet mir, nach Ahrendsburg zu fahren, da gäbe es eine Aral-Tankstelle. Ich bin fast wahnsinnig geworden, weil das Navi ständig das GPS verloren hatte und ich langsam wirklich Bedenken hatte, das sich der Motor festfährt. Ich habe es geschafft und stand vor dem Ölregal… welches Öl? Egal. Und es war gut so, mein Blutdruck konnte runter und ich weiter fahren. Nach insgesamt gut 13 Stunden war ich bei meinen Eltern, südlich von Hamburg.
Meiner Mama ging es nicht gut und sie ist auch Mittwoch ins Krankenhaus, vermutlich eine Fischvergiftung. Mit meinem Bruder, der zur Zeit ein Praktikum als Schiffsarzt auf der „Seawatch“ macht, war ich ständig über Whatsapp in Kontakt. Er schippert vor der libyschen Küste und ist Ende Dezember wieder zu Hause. (Meine Mama ist Sonnabend aus dem Krankenhaus entlassen worden. Und es geht ihr besser. Das ist doch gut.) Donnerstag bin ich weiter nach Güstrow. In der alten Heimat habe ich viele wunderbare Menschen getroffen, tolle Gespräche gehabt und an drei verschiedenen Orten geschlafen. Es war richtig schön. Empfehlenswert ist „Dat Café“ in Güstrow in der Mühlenstraße. Schönes Ambiente, glutenfreie Auswahl und sehr freundliche Bedienung. Glutenfrei ist für mich jetzt nicht ausschlaggebend, aber es ist wirklich sehr lecker!
Der Weg zurück war weniger selbst fahren, mehr gefahren werden, übers Wasser. So war ich ganz begeistert, von meiner Route: über Rostock – Gedser nach Dänemark. Auf dem Schiff fragte mich die Bedienung am Kaffeetresen, ob ich svensk sei! Natürlich habe ich versucht norsk zu sprechen (die Dänen, Schweden und Norweger verstehen sich). Aber svensk? Nun gut. Die Fähre ist eine Hybridfähre, d.h. sie fährt mit Diesel und sie nutzt Windkraft mithilfe eines Rotorsegels. Sehr interessant. Dieses Rotorsegel ist ein 30 m hoher Zylinder, der sich durch den Wind dreht. Damit wird Diesel gespart. Sieht etwas sonderbar aus, aber so war ja mal der Urgedanke der Seefahrt – Wind zu nutzen. In Dänemark habe ich an der ersten Tankstelle, die ein ganzes Stück von der Kaimauer entfernt ist, getankt. Für DKK 12,59, das sind „übern Daumen“ weniger als 1 Euro (grob geteilt durch 14). Kvittering bekam ich auch, also weiter! Es sind von Gedser bis Køpenhavn 150 km. Und das Navi habe ich erst nach dem Weg gefragt, als ich schon durch die Stadt geeiert bin. Ich habe diesmal auf einen Nervenzusammenbruch wegen des Navis verzichtet und bin locker und viel zu früh am Anleger gewesen. Das Einchecken ging auch früher los, als erwartet, also gut organisiert. Hinein in den Schiffsbauch, weiter, weiter… ganz am Ende noch keine Autos… einmal rum um die Mittelkonstruktion (oder wie auch immer die Treppenaufgänge in der Mitte heißen) und auf den anderen Seite des Autodecks zurück. Das war anders als bekannt. Also ist dies keine Fähre, wo man mit dem Auto hinten rein fährt und vorn wieder raus (oder umgekehrt). Diese Fähre hat also nur eine Autoklappe. Was mich an dieser Überfahrt besonders begeistert hat, war die Route an sich. Nun war es leider dunkel und somit konnte man nicht so viel sehen. Wir sind an der schwedischen Küste entlang gefahren, mit dem beleuchteten Küstenstreifen, auf der dänischen Seite etwas weniger hell, wunderschön. Sterne gab es keine, zu wolkig. Im Sommer, oder wenn es abends länger hell ist, muss es richtig schön sein, da lang zu fahren. Gespeist habe ich am Büffet, was ich durchaus empfehlen kann. Für Kinder gab es eine niedrigere Theke, das fand ich auch sympatisch. Nach einer unruhigen Nacht, es war ganz schön wellig, bin ich nach ca 10 Stunden Schlaf gut ausgeruht aufgewacht. Da ich nicht der Frühstücker bin, gab es Kaffee und Wasser und dann müsste ich auf Deck! Was für schöne Ausblicke! Hinter uns kam das Fährschiff der Colorline (Kiel-Oslo). Wir wollten ja beide um 10 Uhr in Oslo sein – also musste sie über kurz oder lang auftauchen. Vorbei an Fæstningen Oscarsborg (da will ich auch mal hin), Oslofjordens smalleste stræde. Es war eine schöne Tour.

Ich grüße Euch von Herzen

Ute

Urlaubsvorbereitung

Seid gegrüßt, ihr Lieben,

am 07.12. geht morgens um 8 Uhr die Fähre nach Hirtshals/Dänemark. Dann erwartet mich eine lange Autofahrt durch Dänemark und Schleswig/Holstein. (Trara! Der Elbtunnel ist genau dieses Wochenende gesperrt!) Bei meinen Eltern will ich ein paar Tage sein, um dann noch nach MV zu fahren. Andere Wege von Vidaråsen nach Norddeutschland gehen mit der Fähre von Sandefjord nach Strömstad/ Schweden und einer langen Autofahrt durch Schweden dann weiter entweder mit der Fähre nach Rostock oder weiter über Dänemark mit der Fähre nach Rostock. Ich wohne wirklich verkehrstechnisch günstig. Oslo ist auch nicht weit weg, also die Fähren  Oslo > Kiel oder Oslo > Kopenhagen sind auch machbar, allerdings über Nacht und ein Preisvergleich lohnt sich. Flüge gibt es auch nach Hamburg, damit habe ich mich aber noch nicht beschäftigt. Mit dem Auto sind es etwa 800 bis 1000 Kilometer. Das braucht seine Zeit. Trotzdem freue ich mich auf die Fahrt. Zurück ist die Fähre Rostock > Gedser am Sonntag 14.12. geplant und dann Kopenhagen > Oslo, wo ich dann am 15.12. um 10 Uhr anlande.

Urlaubsvorbereitung ist doch auch sehr schön. Packen, überlegen, was mitkommen soll…und was mit hierherkommt. Denn ich musste ja einige Sachen in meinen alten Zuhause lassen, weil ich den Transporter zu klein geschätzt habe. So kann ich mich noch von einigen lieben Menschen besonders verabschieden.
Aber wie geht das eigentlich in einer Gemeinschaft und mit einem Auto?


Ich habe den Passat r
ød für die Zeit meines Urlaubs „gebucht“. Ich werde ihn vorher voll tanken und was ich unterwegs tanken muss, strecke ich vor. Privatfahrten zahle ich mit 2 NOK pro Kilometer. ca. 15 Cent. Allerdings gilt diese Fahrt ja noch zu 2/3 als Umzug und somit kann ich bei der Gemeinschaft Umzugshilfe beantragen. Ich bekomme ja ein Taschengeld und davon kann ich die Fahrt nicht allein bestreiten.
An einem Gebäude ist eine große weiße Tafel, an der jeder Wochentag und jedes Auto aufgezeichnet ist. Auch, ob es ein E-Auto oder ein Diesel ist, ob es Automatik- oder Schaltgetriebe hat. Piggdecks (Winterreifen mit Spikes) hat oder piggfri ist. Ein Auto ist für Dienstfahrten reserviert. Zwei Autos für die Praktikanten. Alle anderen Autos darf man nutzen, wenn sie frei sind. Längere Fahrten, wie z.B. meine Urlaubsfahrt habe ich vorher geklärt und erst anschließend die Fähre gebucht. Passat rød ist ein Automatik, mit dem ich schon in Drammen war: fährt sich gut.
Sonntag geht es also 8 Uhr ab Larvik los. Gut ist es, um 7 Uhr da zu sein, also um 6 Uhr losfahren… ggf. Eiskratzen, alles einladen, vorher den Schlüssel holen. Jedes Auto hat seinen Parkplatz und seinen festen Schlüsselplatz.
Auch das ist auf der Autotafel angegeben. Trotz der guten Beschreibung, wo sich was befindet, habe ich gerade Passat rød schon gesucht. Vor allem, weil „rot“ eine Frage der Definition ist.

Seid lieb gegrüßt, ich freue mich auf die Reise, das Ankommen, die Begegnungen und das Wiederkommen.

Ute

Winterschuhe

Seid ganz lieb gegrüßt, ihr Lieben!

Das Wetter scheint weiterhin mild zu bleiben. Obwohl es hier durch den Frost und den anschließenden Regen teilweise extrem glatt wurde. So bin ich gleich auf dem Weg zum Ullsteinhus, wo ich am Montag (1.12.) essen durfte, umgedreht und habe meine neuen Spikeschuhe angezogen. Also wie die Autoreifen, mit Spikes, oder Piggs, wie sie hier heißen. Ich glaube, diese Schuhe werden noch wirklich wichtig werden. Allerdings habe ich in einem normalen Schuhladen mal geschaut und an einigen Schuhen stand tatsächlich 30 °C. Ja, solche Schuhe bräuchte man bei 18 °C. Jemand anderes sagte mir, dass die skandinavischen Winterschuhe eine weichere Gummimischung haben, als die europäischen Winterschuhe. Das habe ich bei meinen „Wolfskin-Schuhen“ schon gemerkt. Wir hatten ja schon lange Tage mit Minustemperaturen. Da waren meine Stiefel ganz schon laut, also hart in der Sohle. Jetzt also Spikeschuhe. Sie haben mich sicher durch den rutschigen Abend gebracht. Auf dem Karton stand, dass man keinen Gedanken an Unsicherheit verschwenden muss. Kann ich bestätigen. Möglicherweise brauche ich doch noch ein paar Winterschuhe, falls ein Paar durchweicht. Matschwetter soll es hier auch geben. Für milde Temperaturen, so wie jetzt, reichen auch meine Barfußschuhe. Die trage ich auch am liebsten, weil meine Füße darin in der Breite wirklich den meisten Platz haben.
Hier ziehen alle, wenn sie in ein Haus kommen die Schuhe aus. Und man sieht auch, wo Spikeschuhe auf Linoleum oder Holz getragen wurden…

Seid ganz lieb gegrüßt

Der Sockentod

Seid herzlichst gegrüßt!

Am Donnerstag hing ich 10 Socken auf, am Freitag nahm ich 9 ab. Das kam mir komisch vor. Es gibt einen Bewohner im Haus, der seine Socken zerstört. Meist am Fuß, während er sie an hat. Aber nun fehlte mir ein Socken. Vor 2 Wochen war schon mal ein Socken abhanden gekommen, allerdings passiert das bei mir gelegentlich. Dann bleibt ein Socken im Hosenbein hängen oder geht auf dem Weg zur Waschmaschine verloren. Auf jeden Fall finden sich über kurz oder lang meine Socken wieder zusammen. Eine Bewohnerin klagte auch über einen fehlenden Socken. Nun war ich so frech und habe mal in die Schubladen dieses Bewohners geschaut. Da war meine Wollsocke! Ein freudiges Wiedersehen! Allerdings fand ich auch im Papierkorb die traurigen Überreste meines grauen Sockens, den ich schon 2 Wochen vermisse. Also werde ich Socken nur noch oben in meiner Wohnung trocknen und nicht mehr unten in der Waschküche. Und ein Weihnachtsgeschenk habe ich auch schon für diesen Bewohner: die zweite Socke!

Seid lieb gegrüßt

Ute

Julemarket auf norwegisch

Seid gegrüßt, ihr Lieben,

am Lørdag, 22.11. war der von so vielen Bewohnern herbeigesehnte Julemarket der Steinerskole in Nøtterøy. (Nøtter sind Nüsse und øy ist Insel). Ein buntes Treiben, viel draußen, aber auch drinnen, mit Julegrøt (Milchreis), Pølser (Würsten) und Backwaren aller Art. Alle haben mindestens eine Wurst gegessen. Die Norweger lieben Würste, auch mit Brot, als Hotdog.
Ich bin ja immer wieder von der anthoposophischen Architektur begeistert. So phantasievolle Gebäude, farbenfroh und kindgerecht. Einfach schön. Es gab eine kleine Ausstellung, was die einzelnen Klassenstufen an kreativen Arbeiten machen und welche Themen bearbeitet werden. Sehr spannend. Karussells und Fahrgeschäfte gab es keine, wie schön! Es gab Puppen, Kränze aus Tannengrün, Rentiere aus Birkenholz, Girlanden und in einem Raum wurden Steine und Mineralien verkauft. Selbstverständlich gab es einen Basteltisch für die Kinder, die allerdings auch viel draußen auf dem wunderschönen Spielplatz waren. Was ich nun wirklich interessant fand, dass einige Bewohner unbedingt erst in den Supermarkt mussten und tatsächlich schwer zu tragen hatten. Der Bus, mit dem wir gekommen sind (ein 16-Sitzer) hat woanders geparkt und somit musste der Einkauf mitgeschleppt werden. Andere haben das andersherum gemacht. Ich bin gespannt, wie es im nächsten Jahr sein wird. Insgesamt ein schöner Julemarket, mit Feuerstellen, Kutschfahrten und Eselfoto.

Am Søndag, 23.11. war ein schöner Julemarket in Stokke, auf einem Museumshof. In den Gebäuden und draußen. Es gab die obligatorischen Pølse und den Julegrøt, natürlich Kaffe und Vaffler. Was es bei solchen Veranstaltungen grundsätzlich nicht gibt ist Alkoholisches. Kein Glühwein und kein Bier. Das finde ich sehr angenehm. In allen Gebäuden fand etwas statt: so wurden Kränze hergestellt, Bastelangebote für Kinder (na klar), in der Webstube wurde an den Webstühlen gewebt und Handarbeiten verkauft. Es gab viel Gestricktes und Gesticktes, handgemachte Marmeladen, Getöpfertes, Honig, handgemachte Dekoration… Leider war das Wetter nicht schön. In den Gebäuden, die normalerweise als Museum dienen, waren die normalen Ausstellungen zu sehen. So gab es einen Tante-Emma-Laden mit Miederwaren, Spielzeug nebenan und andere interessante zusammengetragene alte Sachen. Im Keller gab es eine Ausstellung zum Thema Ende des 2. Weltkrieges in Norwegen. Ich muss sagen, das wollte ich nun nicht. Vielleicht ein anderes Mal.

Am 29.11. war „unser“ Julemarket. Die Werkstätten haben in Kristoffer Hallen verkauft. Im Gjestehus gab es Suppe und Saft, Draußen wurde gegrillt. Im Askeladden gab es Kaffee und Kuchen, auf dem Bauernhof gab es Stockbrot und heißen Punsch und die Butikk (der Dorfladen) hatte auf. Viel vorzubereiten, zu schmücken, Tische und Bänke verschieben, eigentlich ein Wahnsinn! Aber es war sehr schön. Es gab hier auch keine Fahrgeschäfte – aber Reiten für Kinder und basteln gab es.

Seid lieb gegrüßt und eine schöne Adventszeit

Ute

Dunkle Zeit

Seid gegrüßt, ihr Lieben!

Bereits Anfang Oktober stand eine Bewohnerin in der Landsbymøte und bat alle darum, jetzt Refleks ( wozu ein x?) zu tragen und Taschenlampen dabei zu haben. Es würde jetzt die dunkle Zeit beginnen. Als ich vor 25 Jahren nach Greifswald kam, stellte ich fest, dass es im Sommer ca 25 min länger hell war, als in Frankfurt/M! Und so beobachte ich jetzt auch wie die Zeiten des Sonnenauf- und untergangs sind. Heute (21.11.) geht die Sonne ca 8:30 Uhr auf. Aber die Dämmerung setzt schon gegen 7 Uhr ein. Und das finde ich richtig schön – gerade die Zeit der Dämmerung ist so spannend und so anders. Eben ein Übergang. Und dieser Übergang dauert ca 1,5 Stunden! (In Portugal dauert die Dämmerung nur ein paar Minuten, das ist doch schade.) Die Abendzeiten bekomme ich jetzt nicht mehr so wirklich mit, weil hier noch alle irgendwie beschäftigt sind. Das wird sich auch für die Morgendämmerung noch ändern… Es soll um Mittwinter wohl erst gegen halb 11 hell sein. Ich bin gespannt, wie sich das anfühlt.
Das Dorf ist übrigens nie wirklich dunkel, weil überall diese wundervolle Wegbeleuchtung angeschaltet ist. Die ganze Nacht. Diese Leuchten lerne ich mehr und mehr lieben. Als Ich hier Ende März das erste mal war, fand ich diese Lampen komisch. Sie sind in einem unregelmäßigen Sechseck (am Grund) geformt, das sich dann in einer Art Kapuze weich abschließt. Diese Form ist wirklich schwer zu beschreiben. In einem Buch fand ich, dass es die Kristallform sein soll. Für mich sehen sie wie kleine Wesen aus, die eine Kapuze haben und unter dieser das Gesicht hervor leuchtet. Irgendwie lebendig. Die Lampen sind ca 1m hoch und leuchten auf den Weg. Das Material ist Beton. Da sie schon ein paar Jahrzehnte stehen und sicherlich schon der ein- oder andere Schneepflug mal dagegen gedrückt hat, stehen einige etwas schief. Auch einige Wege haben sich verändert oder werden nicht mehr genutzt, und so stehen einige Lampen etwas eigenwillig in der Landschaft. Es ist alles in Veränderung, wird mir so bei jeder Begegnung mit so einer Lampe klar.
Eine ältere Mitbewohnerin (sie ist schon 80 Jahre und ich würde sie nicht als Mitarbeiterin bezeichnen, auch wenn sie sich wirklich noch viel engagiert) erzählte, dass diese „Nonnenlampen“ (wirklich!) seit (sie wusste es nicht mehr so genau) 1989 massenweise in Vidaråsen hergestellt wurden. Sie wurden verkauft an andere Camphilldörfer und anthroposophische Einrichtungen in Norwegen.

Deswegen gibt es „unten“ (bergab) (bei der Snekkerverksted (Tischlerei) den Bereich, der sich „Betong“ nennt. Dort wurden diese Lampen hergestellt.

Seid ganz lieb gegrüßt

Ute

Glattkjøringskurs am 19.11.

Seid gegrüßt, ihr Lieben!

Herausforderungen sind ja dazu da, dass man sie meistert. So wurden wir neuen Mitarbeiter in zwei Gruppen aufgeteilt, zu je 8 und die eine Gruppe war am 12. dran und ich mit meinen jungen Kolleginnen also gestern… zum Glattkjøringskurs. Zum Fahrsicherheitstraining. So was habe ich schon mal mit gemacht, und zwar im Oktober 2023 in Goldberg (die Stadt der 3 Lügen: kein Gold, kein Berg, keine Stadt). Diese Bahn war allerdings etwas anderes! Abschüssig und bei – 6 Grad spiegelglatt, das allerdings in der Ebene. Und es gab die Kurve, ebenfalls glatt. Und alle Ansagen auf Englisch. Das war schon aufregend. Eine Ansage war: in der Kurve bremsen – natürlich um die Sicherheitssysteme des Autos kennen zu lernen. Und bitte nicht die Kupplung treten… Das mache ich immer, wenn ich bremse… Wir kamen also zu dem Ergebnis, das „unser“ Octavia zwar ein EPS hat, dass aber nur reagiert, wenn die Kupplung getreten wird. Aha. Und Reifen mit Spikes nützen auf spiegelglatter Fahrbahn auch nichts. Das gibt nur interessante Muster im Eis! Als meine Mitfahrerin gefahren ist, hat sie öfter mal den Schliddergang genommen! Aber es kann nichts passieren – max. 60 km/t.

Wir hatten auch Unterricht – im teorirom. (Wozu braucht man das h und das e?). Es war schon interessant, wenn einem klar wird, dass Norwegens Straßennetz aus uneinsichtigen Kurven besteht.

Wir waren mit 4 verschiedenen Autos da: ein Cactus – Automatic, Ein Hyundai, Schaltung, Ein Kia, E – Automatic und unser Octavia mit Schaltung. Jedes Auto ist anders und jeder Fahrer reagiert anders und jede Fahrbahn ist anders. Ich fand es spannend – und ganz ehrlich: es hat Spaß gemacht.

Seid ganz lieb gegrüßt

Ute

Dorfgeschichte Teil 1

Seid gegrüßt, ihr Lieben!

Ich bin ein Mensch, der gern mal so schaut, wie es früher war, wo ich bin. Zwei interessante Bücher gibt es über Vidaråsen, das eine von 1980 und das andere von 2005. Und ich habe hier eine Kollegin – ja nun nutze ich diesen Begriff doch – die seit 40 Jahren hier ist. Sie kennt noch den alten Stall, der dort stand, wo das heutige Tunet steht. (Auch komisch, denn Tunet heißt Hof…hm)
Sie hat mir auch erklärt, was Vidaråsen bedeutet: Vidar ist ein (relativ) unbekannter nordischer Gott, ein Sohn Thors, der dem Fenriswolf den Kiefer gebrochen hat, damit dieser die Sonne nicht verschlingen kann. Deshalb scheint die Sonne auch heute noch. Wenn auch hier gerade weniger. Und „åsen“ ist eine altmodische Bezeichnung für Hügel oder Anhebung. Also Vidars Hügel. Steiner hat ebenfalls von Vidar/Widar geschrieben, bzw gesprochen. So heißt also das Dorf (Landsby), in dem ich jetzt wohne, lebe und arbeite. Der Hof, der vor dem Dorf da war, hieß „Bakke“ und das ist die Übersetzung für einen Hügel oder eine Erhebung… Das alte Wohnhaus steht heute noch und heißt „Bakkehus“ (Foto oben). Früher wohnten dort auch Dorfbewohner – also Menschen mit Beeinträchtigungen. Heute dürfen nur noch Mitarbeiter dort wohnen, weil die Sicherheit in diesem verwinkeltem und dreimal angebautem Haus nicht gewährleistet werden kann. Ich gebe zu: ich war noch nicht drin.Zum alten Bakke-Hof gehörte außerdem der Stall (an der Stelle steht heute das Tunet mit Matforedling und Meieriet), Smestad, das heutige Kontor, Nedre Bakke und das
Hønsehuset (der Hühnerstall). Diese Gebäude stehen heute noch. 

1966 wollten einige Menschen die Idee von Camphill nach Norwegen holen und hatten diesen Bakke-Hof gekauft. Es gab schon die Töpferei/Bäckerei und die Kerzenwerkstatt. Es reichte aber nicht für etwas anderes. Und es fehlten Familienhäuser für Bewohner und Mitarbeiter mit ihren Kindern. Die Dorfgruppe hatte viele Pläne – es fehlte das Geld.
Nun war es damals so, dass die Abschlussklassen an einem Tag in Jahr Geld sammelten für einen wohltätigen Zweck. Früher waren es meistens Rettungsboote. Aber im Jahr 1966 standen die „Russen“ (die norwegische Bezeichnung für Abiturienten) ohne Auftrag da. Ein Brief einer kleinen Gruppe von Menschen erreichte den Russenvorsitztenden. In diesem Brief wurde auf Vidaråsen aufmerksam gemacht. Es fand ein Gespräch statt – und auf dem Tisch stand eine Kerze, die aus Bienenwachs gegossen war. Hier wurde die Idee geboren, dass die Schüler der Abschlussklassen Kerzen verkaufen. Auf Kochplatten wurde in der gesamten Umgebung Bienenwachs geschmolzen und die Kerzenproduktion wurde optimiert. 40000 Kerzen in 2 Wochen. Im ersten Jahr nahmen die 3500 Russen 180.000 Kronen ein. Und dann wurde das Haus „Ole Bull“ gebaut. So steht es in dem Büchlein von 1980.

Das Korczak Hus wurde 1979 gebaut – als Seminarhaus. Es wurde nie als solches genutzt. Und auch das Korczak Hus wurde durch die Kerzenaktion der russen finanziert. Heute gibt es so einen Sammeltag nicht mehr.

 

Seid ganz lieb gegrüßt

Ute