Abschied auf antroposophisch

Heisann alle sammen!

Am Sonnabend, 25.4. ist ein Bewohner im Krankenhaus gestorben. Er war seit 1973 hier. Und ich muss sagen, der Umgang mit Verstorbenen ist hier im Dorf wirklich schön. Es scheint, dass das wirklich anthroposophisch ist. Am Montag wurde er in der Kapelle im offenem Sarg aufgebahrt. Alle konnten Abschied nehmen und ich habe mich für eine Totenwache (von 5-6 Uhr morgens) eingetragen. Das war noch mal ein ganz anderes Erlebnis. Es war wichtig für mich. In einem späteren Gespräch habe ich meine Vermutung bestätigt bekommen: dieser Übergang vom Leben in den Tod ist kein Augenblick, sondern ein Prozess. In diesem Prozess ist es gut, wenn jemand anwesend ist, die Seele nicht allein ist. Es war die ganze Zeit ein Fester offen, damit die Seele wirklich gehen kann.
Die Fahne wehte seit der Tod
esnachricht auf Halbmast. Am 28.4. war um 18 Uhr Aussegnung. Die Familie war da und ca. 30 Menschen aus dem Dorf. Es war eine sehr feierliche und berührende Zeremonie, bei der auch der Sarg geschlossen wurde. An nächsten Tag, 29.4., kam um 13 Uhr der Bestatter, 8 trugen den Sarg zum Auto. Und ganz langsam fuhr der Wagen aus dem Dorf (auch wegen der Staubentwicklung) und als der Wagen an „der tunet“ vorbei war, wurde die Fahne ganz hochgezogen. Als Zeichen, dass der Tote das Dorf verlassen hat. So einen würdevollen Abschied habe ich noch nie erlebt.


In Norwegen we
rden (soweit ich das einschätzen kann) alle eingeäschert. Das Begräbnis, so will es die Familie, ist in ein paar Tagen in dem Ort, in dem die Familie wohnt. Wir werden möglicherweise mit vielen Autos fahren. Er soll ein ganz lieber Mensch gewesen sein. Ich kannte ihn nicht wirklich.

In Deutschland will man mit den Toten meistens nichts mehr zu tun haben. Das Waschen, wenn es denn überhaupt noch gemacht wird, macht ein Mitarbeiter des Bestattungsunternehmens, Aufbahrung und Abschied gibt es nur mit geschlossenem Sarg. Dabei sieht ein Toter, der in Würde zurecht gemacht wurde, sehr würdevoll und friedlich aus. Schade eigentlich. Ich darf hier, für Interessierte ein Buch empfehlen: Ajana Holz: Vom Leben getragen – für eine lebendige Bestattungskultur. ISBN 9783863215361

Seid ganz lieb gegrüßt

Ute